Maria Maria – endlich Regen

So das andere Ende der Dreisam habe ich verlassen. Und: es regnet!

Wir drehen mit dem Bus noch eine Runde um die Dreisammündung. Hier steht die alte Pension Maria. Sie steht zum Verkauf. Seit die Betreiberin verstorben ist, streitet der Nachwuchs wohl um das Erbe, wird gesagt. Thema ist es in den Straßen von am anderen Ende der Dreisam. 400000 wird kolportiert. Eine Million sagt der nächste. Und ein schlauer Schwabe weiß es ganz genau: Oi Miooooonsechshunderddausend. Mir solls Wurst sein. Ich kann das rotte Ding eh nicht erstehen.

Es ist schön mit dem Bus durch die Berge zu fahren. Die Scheiben sind so schön beschlagen. Man sieht nicht allzu viel. Besser so. Mit meiner Höhenangst muss ich nicht kämpfen. Nur mit dem Geschaukel dieser Karre. Unterwegs Regen, Schnee, Wind, Wetter. Schließlich lande ich ich nach zwei Stunden Fahrt an einem anderen Ort – vier Täler weiter. Das ist so wie wenn man Freiburg verlässt, noch eine Runde ums Rathaus dreht und sich plötzlich im vorderen Achertal wiederfindet.

Demnächst gibt auch von hier frische Beiträge. Ich hoffe, ihr habt die alten noch nicht satt!

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Willibald der Bagger

Willibald steht hier mitten in der Straße und bohrt an einer Gasleitung. Es kann natürlich auch eine Wasserleitung sein. Aber es stinkt hier auch zum Himmel. Ich hab’s: es ist wohl eher ein Abwasserrohr.
Kindheitserinnerungen werden wach. Damals standen fünf Gemeindearbeiter auf ihren Schaufeln gestützt im Kreis. Und das mitten im Wald. Das war auf dem Hinweg. Drei Stunden später – auf dem Rückweg – das gleiche Bild. Nur aus einer anderen Perspektive.

Hier am anderen Ende der Dreisam wird genauso akribisch geschafft. Mehrere Spezialisten nähern sich der Grube. Die Baggerschaufel ist in dem Loch, denn würde sie oben, könnte sie ja über Nacht geklaut werden. Nun haben wir es hier mit fleißigen Menschen zu tun, die schon einmal Planen, wie man am besten die Baustelle so absichert, dass der Bus garantiert nicht mehr durchkommt. Genau so ist es passiert, drum bin ich heute leider irgendwo zu spät angekommen.

I.Ü,: Es hat geregnet! Oben in den Bergen, hier hat es so hohe Berge wie im Schwarzwald, da hat es sogar geschneit. Aber Schiünfälle wie auf dem Feldberg gibts trotzdem keine, nicht einmal Tödliche.

Morgen bekommt ihr noch meine Schlussstory vom anderen Ende der Dreisam, danach gibt es neues von einem anderen Ort.

Schweinebucht

Hier am anderen Ende der Dreisam machen Mütter mit ihren erwachsenen Kindern Ferien. Sie ziehen hier in Massen durch das Dorf um mit ihnen einige Stunden in der Schweinebucht zu verbringen. Schweinebucht? Was ist das? Es ist ein lauschiger Ort an dem sich in früheren Jahren die Hippies versammelten um ihren Religionen zu fröhnen und abseits vom Dreisamrummel Rituale zu zelebrieren. Also geht es hinten hinaus am Strand vorbei, entlang der Felswand, dann noch zwei Buchten weiter über Fels und Geröll. „Sieh mal Kevin, da haben wir früher immer das Wasser hingeschleppt!“ Kathrin bekommt dabei fast einen Schwächeanfall.

Nun dort hinter den Hindernissen ist die Schweinebucht. Der Name ist die Abkürzung von „können diese Schweine hier in der Bucht nicht endlich einen Kondomautomaten aufstellen?“
Nein Kondome gab es damals nicht. Dafür hat Angelika jetzt einen Kevin, Susanne eine Ann-Sophie, Beate eine Lisa und Heike einen süßen Mittzwanziger namens Knaus-Ogino. Er ist von Beruf Temperaturfühler geworden. Zwei und zwei pilgern sie jetzt da hin. Jahre haben sie ihren Kindern den leiblichen Vater vorenthalten, Klaus aus der WG hat das Gör in die Kita gebracht. Gerd, der die allein erziehende Mutti kennenlernte, dem Knaus die Stullen schmierte. Und Ann-Sophies Medizinstudium hat Andy aus seiner Tasche bezahlt.

Und jetzt lernen sie alle Miguelito kennen. Den einst so hübschen Jungen, ja der mit der bezaubernden Panflöte. Er hat sie damals alle mit seiner Musik und seinem Einfühlungsvermögen herum gekriegt. Aber er hatte weder Geld für Kondome noch für Unterhaltszahlungen. Jetzt sieht er alt und verbraucht aus, nur die strahlenden Augen mit dem Dackelblick erinnern an bessere Tage.

Den Kindern wird hier ein Einblick gegeben wieso es damals in der Schweinebucht zum Sonnenuntergang und in den Vollmondnächten so romantisch war. Und nun freunden sie sich mit ihrem Genitor an. Ist doch wunderbar – so eine Revivalreise!

(Bei dem Bild muss man nur um die Ecke denken, dann ist man in der Schweinebucht)

Bananenrepublik – bewaffnet bis an die Zähne

Da läuft einer mit dem Maschinengewehr. Auf dem Karneval habe ich ja solche schon gesehen, so mit Holzgewehr, in Tarnanzügen, um betrunken zu sein, waren sie aber zu jung.
Und nun läuft da ein echter Militär. Aber ich traue mich nicht ein Bild von ihm zu knipsen. Er könnte ja zurückschießen. Wenigstens hat er das Ding nicht im Anschlag. Zu einem Anschlag geht er wohl auch nicht. Da hinten ist nur die Hafenbar und er geht aber rechts daran vorbei zur Mole. Dort liegt ein Einmaster (Alex Meier hat gegen Köln nur ein Bude gemacht).
„Schusswechsel am Samstag nach Aschermittwoch“, das wäre doch ein Titel gewesen. Aus Nordspanien kenne ich es ja, dass Militärs beim Einsatz bei Waldbränden die Flinte in den Händen tragen – so als ob das Feuer so ausgehen würde. Aber hier am anderen Ende der Dreisam? Da spielt eine Rockband, das ist besser als zuvor das Salsageplärre von Corazon, Dolor und Dolores.
Das hier ist eine Bananenrepublik, denn bevor hier die Touristen kamen, baute man nur Bananen an und die müssen ja im Zweifelsfall geschützt werden.

Was immer der junge Mann mit dem MG vorhat, wir werden es nie erfahren. Die Bananen aus ihren Plastiksäcken befreien? Oder wie auch immer, so würde es ein ortsansässiger Bücherwurm und Satiriker sagen: ist doch alles Banane!

Karneval – immer das gleiche

Bei uns wird in Sketchen auf den Bürgermeister geschipft, in Lieder der Ministerpräsident besungen, über Wirtschaftsfachkräfte hergezogen und so jeder der es nötig hat, wird durch den Kakao gezogen. Und hier…

Arriba am anderen Ende der Dreisam – hier wird der Bürgermeister besungen, der Ministerpräsident, das Regierungpräsidium. Tiraden über Stuttgart, das die Gelder in andere Regionen des Ländles verteilt. Und man hier selbst eine schöne breite Straße gebaut bekommt, die leider in einer Sackgasse endet. Die nie befahren wird, dafür aber Tag und Nacht hell beleuchtet ist.

Fasching ist ermüdend. Drum gehe ich schlafen, ihr kriegt noch – wie versprochen – einen schönen Weihnachtsbaum als Bildchen. Und denkt dran, ich hab euch alle lieb, wenn es sich ergibt.

Tantriker habe ich bei der Veranstaltung nicht gesehen. Vielleicht aber waren sie als Yogamatten verkleidet?

 

Karneval – doch was los hier

Die Deutschen sitzen mit dem Gesicht nach Westen in der Kakadubar. Da ist ne Leinwand und da gibts nur eines: Fußball. 11 Spieler nicht 73 Jungfrauen. Dafür aber auch noch einen Ball. Also da betet man nicht in irgend eine Himmelsrichtung. Wenn man hinten sitzt, sieht man in der zweiten Halbzeit nicht mehr viel. Weil vorne ständig einer aufsteht und wegen dem vielen Bier mal muss.

Aber unten am Hafen da steppt der Bär. Da tanzen mal die Alten für sich, dann ist Kinderfest, Donnerstag die hiesigen Männer im Frauenkostüm. Und am Wochenende wird gesoffen, bis man spuckt! Das Motto lautet Ögypten, das soll ganz in der Nähe von hier sein! Einen Entertainer gibt auch. Ja, so richtig mit Hammondorgel, Albert heißt er, glaube ich.

Aber die Auswärtigen machen da nicht so mit. Die stehen auf andere Musik, da solls einen Pyjamamann geben, der ein wunderbares Saiteninstrument spielt. Wie gut, das kann ich zum Glück nicht richtig beurteilen. Außerdem müssen die ja auf ihrer Sonnenliege auf der Veranda fleezen, damit ihnen keiner den Arsch wegschaut. Unten am Strand trauen sie sich das nicht so. Am anderen Ende der Dreisam ist Nacktbaden und -sonnen in der Öffentlichkeit nicht mehr so angesagt.

Ja von wegen Integration. Die hier wohnenden Deutschen lassen sich nicht so recht akkulturieren. Die können ja nicht einmal die Sprache richtig, warum sollen sie dann Karneval können, auch wenn ein paar neureiche Düsseldorfer dabei sind.  Aber dort macht man das ja auch nicht mehr so richtig. Wurde da nicht gerade sogar der Umzug abgesagt um die Spritkosten zu senken. Ökobilanz ist was wichtiges. Damit setzt man sich hier auch ausander und läuft beim Umzug.

So viel zum Karneval. Morgen gibts – wenn ihr artig seid – etwas zu Weihnachten. Das ist auch schön. Zumindest schöner als eine zerbeulte, durchgenudelte Yogamatte.

Meine Yogamatte ist läufig

Mein Yogamatte ist läufig, besser gesagt, sie ist abgehauen, einfach nicht da. Sie ist durchgeknallt, nachdem ich an einem Laternenpfahl hängengeblieben bin. Dort hingen nämlich ganz viele Flyer. Nicht von FC St. Pulli oder Biene Maya –  es geht um Werbung für spirituelle Disziplinen. Meine Yogamatte will alles einmal ausprobieren. Vielleicht sogar das auf dem Bild. Aber ich nicht!

Yoga am Strand statt immer nur Lendenwirbelgymnastik und ein paar langweilige Rumpfbeugen. Mal zu den Tantrikern gehen, meine Yogamatte wills wirklich wissen. Ich nicht! Ich gehe da doch lieber mal zur Physiotherapie ganz ohne Happy Finish oder Spermaflecken. Da liege ich auf der Pritsche, da wird meine Yogamatte eh gar nicht gebraucht. Meine Yogamatte schnüffelt hinter jeder her, die im Indienlook unterwegs ist und hört allen zu, die etwas zur Erweiterung des Bewusstseins wissen. Ich bin da nicht aufgeschlossen genug. Aufgeschlossen? Ich schaue gerade vor die Tür, da liegt sie wieder meine Yogamatte. Sie ist fix und fertig. Völlig zerknautscht. Unbrauchbar – hat sie jetzt davon, sieht nach sehr viel Happy Finish aus, total versaut!

Morgen werde ich mir eine Neue kaufen! Yogamatten gibts hier am anderen Ende der Dreisam. Morgen schicke ich euch ein Bild von ihnen.